Clickbait und Hate Speech in Online-Medien
Shownotes
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00:00:08: Sprecher 1 Wirklich Wirtschaft kompakt. Ein Podcast des Leibniz-Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim.
00:00:22: Katrin Müller Ob Regulierung wirklich ein Mittel gegen Hassrede und Falschinformation ist und wie die Forschung dazu beitragen kann, das Internet ein kleines Stückchen sicherer zu machen, darüber sprechen wir in dieser Folge. Herzlich willkommen bei wirklich Wirtschaft, dem Podcast des Leibniz Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim. Mein Name ist Katrin Müller und bei mir im Studio sitzen heute Raphaela Andres und Lara Marie Berger.
00:00:44: Katrin Müller Raphaela ist Wissenschaftlerin am ZEW im Bereich Digitale Ökonomie und Lara, Doktorandin der Volkswirtschaft an der Universität zu Köln. Herzlich willkommen bei uns im Podcast Studio.
00:00:55: Lara Marie Berger Hallo! Danke! Hallo!
00:00:57: Katrin Müller Ihr beide forscht unter anderem zum Thema digitale Medien und habt euch in diesem Zusammenhang einerseits mit den Mechanismen der Medienmärkte auseinandergesetzt, andererseits mit Hate Speech in den sozialen Medien und deren Regulierung. Das sind in jedem Fall Themen, die uns alle tagtäglich in unserem Medienkonsum begegnen. Denn wir beobachten, dass its und reißerische Headlines immer mehr auch bei den großen Plattformen Einzug finden.
00:01:20: Katrin Müller Mit seriösem Journalismus hat das aus meiner Sicht irgendwann relativ wenig zu tun. Wie kommt es dazu? Lara Und was macht das mit den Nutzerinnen?
00:01:30: Lara Marie Berger Ja, also ich kann da insofern was zu sagen, was ich mir ein bisschen angeschaut habe. Wie verändern ökonomische Anreize für Journalistinnen und Journalisten die Formulierung von Überschriften online Was ist offline? Und da sieht man eben, dass online wirklich deutlich häufiger Sachen alisierend und sensationell verfasst werden als offline. Und das liegt an einer Vielzahl von Dingen, zum Beispiel ist es eben so, dass online der Wettbewerb viel, viel höher ist auf dem Level von der Überschrift.
00:01:58: Lara Marie Berger Also jede Überschrift hat irgendwie das Potenzial, Klicks zu generieren. Und das führt natürlich dazu, dass die Journalisten viel größeren ökonomischen Anreiz haben, das auch emotionalisieren und vielleicht auch manchmal ein bisschen über emotionalisieren zu formulieren. Und da habe ich eben experimentell untersucht Wenn man jetzt die ökonomischen Anreize für Journalisten verändert wie verändern Sie die Überschriften, die Sie schreiben? Da sieht man eben Sind die Anreize höher, dann ist das tatsächlich auch so, das Emotionalisieren, Da formuliert wird.
00:02:29: Lara Marie Berger Und was machst du mit den Lesern? Das hab ich mir natürlich auch angeguckt. Also tatsächlich ist es so, dass in der Onlinewelt oder zumindest wenn Headlines emotionaler formuliert sind, das dann im Schnitt ein bisschen länger gelesen wird. Aber dass sich die Leute etwas schlechter an Fakten, die in den Artikeln genannt werden, erinnern. Genau. Und das ist natürlich eine Entwicklung, die man einfach auf dem Schirm haben muss.
00:02:51: Katrin Müller Das heißt, die gieren eigentlich nach der Sensation und gar nicht nach den Fakten, die sich vielleicht dahinter verstecken.
00:02:58: Lara Marie Berger Ich kann es nicht ganz genau auseinanderklamüsern, woran genau das liegt, Aber es sieht so ein bisschen so aus, als ob der Aufmerksamkeit einfach eher auf die Emotionen gelenkt wird als auf die Fakten. Was auch der Fall zu sein scheint, ist, dass sie etwas breiter lesen. Also Sie lesen mehr Sachen an, aber beschäftigen sich dann mit der Zeit, mit dem einzelnen Artikel nicht so im Detail.
00:03:19: Lara Marie Berger Und dann bleiben natürlich auch Fakten schlechter hängen. Wenn man da nicht so, solange sie sich mit mit beschäftigt.
00:03:26: Katrin Müller Spannend. Raphaela, Du hast zum Thema Hassrede in den sozialen Medien geforscht und da besonders die Regulatorien im Blick gehabt. Was hast du da rausgefunden?
00:03:34: Raphaela Andres Genau. Wir haben uns online Hassrede auf der Plattform Twitter angeschaut und haben uns mit Inhaltsmoderation beschäftigt. Das ist ein. Ein Tool oder ein Werkzeug, dass Plattformen selbst natürlich machen können. Dass sie schauen, was ist der Inhalt und ist er regelkonform oder nicht? Und zeige ich den an oder nehme ich den von der Plattform runter? Allerdings sind die Anreize, die Hass und Falschnachrichten von den Plattformen zu nehmen, natürlich für die Plattform relativ begrenzt, Weil einerseits brauchen die Plattformen Geld für die Inhaltsmoderation, sowohl für die Technologien als auch für das Personal und andererseits belegen Studien, dass online Inhalte, die die emotionaler und hasserfüllter sind, auch häufiger geteilt und kommentiert werden und deswegen eben zu größeren Netzwerkeffekten führen
00:04:26: Raphaela Andres und einfach die Anreize nicht da sind, diese diese Inhalte runter zu nehmen. Daher haben wir uns jetzt die eine Regulierung angeschaut. Und zwar hat Deutschland 2018 mit dem Netzwerkdurchsetzungsgesetz eines der ersten Gesetze erlassen, um aus Online Hassrede einzudämmen. Und wir haben platt gesagt einfach geschaut Wirkt das oder wirkt das nicht? Und wir kommen zu dem, zu dem Ergebnis, dass das Gesetz tatsächlich in der Lage ist, online Hassrede auf Twitter zu zu reduzieren, also sowohl die Beiträge an sich sind von der Intensität her etwas schwächer und auch die die Anzahl oder das Volumen von hasserfüllten Beiträgen ist reduziert.
00:05:06: Raphaela Andres Aufgrund des Gesetzes.
00:05:08: Katrin Müller Das ist schon mal positiv. Was kann denn außerhalb der Regulatorien noch gemacht werden, um dieses Phänomen einzudämmen?
00:05:15: Lara Marie Berger Also es gibt da einige Maßnahmen, die sich Forscherinnen und Forscher angeguckt haben In dem Bereich, was glaube ich sehr wichtig ist, ist einmal Gegenrede, also einfach nicht so wie regulatorisch Sachen löschen oder irgendwie analysieren müssen, sondern das kann ja auch jeder Nutzer machen. Wenn man sieht, dass etwas ein Hasskommentar ist oder auch einfach Falschinformationen verteilt werden, da gegenzusteuern, zu reden und zu sagen das stimmt nicht oder das ist eine Beleidigung, was weiß ich.
00:05:44: Lara Marie Berger Und es gibt natürlich auch viel Forschung, die zeigt, dass auch Faktenchecks effektiv sein können, also wenn Falschnachrichten verbreitet werden, wenn das dann richtig gestellt wird, nicht gelöscht, aber eben daneben die Information steht, die das Ganze einordnet. Dass das auch schon viel bringen kann. Und noch eine weitere Sache wäre zum Beispiel, die ökonomischen Bedingungen anzupassen. Das ist jetzt für den gesamten Markt nicht so besonders einfach.
00:06:05: Lara Marie Berger Aber man kann natürlich gucken, dass man gewisse Leute fördert, die vielleicht andere Anreize haben, Inhalte zu publizieren, als nur möglichst viele Leute zu erreichen. Also in Deutschland wären das zum Beispiel die öffentlich rechtlichen Medien. Aber das ist auch in anderen Kontexten kann man das auch irgendwie anders denken. Also es geht einfach generell darum, dass man quasi ökonomische Bedingungen schaffen kann, die nicht nur auf möglichst viel Klick, möglichst viel Aufmerksamkeit abzielen.
00:06:30: Lara Marie Berger Und natürlich das vierte, was super wichtig ist und Bildungsmaßnahmen. Das ist insbesondere eine sehr attraktive Sache, die man machen kann in dem Sinne, dass das jetzt nicht direkt in Konflikt mit Meinungsfreiheit geben kann. Also bei regulatorisch muss man ja immer abwägen, wie stark können wir hier wirklich eingreifen und wann ist es schon irgendwie ein Eingriff in die Meinungsfreiheit?
00:06:50: Lara Marie Berger Aber wenn man die Leute quasi so schafft zu bilden, dass sie selber erkennen können, wenn etwas problematisch ist an Inhalten, dann ist das natürlich eben kein Konflikt, führt aber auch oder das hat zumindest Forschung auch gezeigt dazu, dass Leute zum Beispiel weniger stark an Informationen glauben, wenn sie eher dazu in der Lage sind, das selbst zu erkennen.
00:07:09: Katrin Müller Und ich denke, diese Bildung muss wahrscheinlich so früh wie möglich ansetzen. Wenn man sich die Altersdurchschnitt anguckt der Nutzerinnen von gerade von Social Media und deren sbarkeit dann.
00:07:19: Raphaela Andres Auch da ist es eben eine potenzielle Stärke, weil man über die Schulen potenziell jeden erreichen kann, wenn es jeden in der betreffenden Altersgruppe.
00:07:28: Katrin Müller Das ist spannend. Was leitet ihr für euch daraus, für euren nächsten Schritt in eurer Forschung ab? Lager magst du anfangen?
00:07:34: Lara Marie Berger Ja, gerne. Also woran wir aktuell arbeiten, was wir auch glauben, was ein super wichtiges Feld das ist. Natürlich. Welchen Einfluss hat künstliche Intelligenz und insbesondere so generative Sprachmodelle auf die Informations erhebung und Verarbeitung von Menschen? Und da sind wir dabei zu untersuchen Wie unterscheidet sich das, wenn man Informationen über zum Beispiel ZBT ausgespielt bekommt? Was ist, wenn man das im traditionellen Sinne googelt oder eben seine Information über Social Media bezieht?
00:08:05: Katrin Müller Durch?
00:08:07: Raphaela Andres Ich schaue mir in meiner aktuellen Forschung vor allem an, wie die Nutzerseite reagiert auf die auf die Regulierung. Wir haben gezeigt die intensität, die sinkt. Aber die Frage ist wie funktioniert das überhaupt? Und jetzt haben Sie mir gerade dabei, Experimente zu designen, um einfach die Nutzer Seite da noch mal ein bisschen besser durchleuchten zu können?
00:08:26: Katrin Müller Da bin ich sehr gespannt auf eure Ergebnisse. An dieser Stelle viel vielen Dank für eure Zeit. Das waren super spannende Einblicke und ich bin sicher, wir alle gucken jetzt noch mal ganz anders auf unsere tagtägliche Medienkonsum und was wir da so durchscrollen. Ähm, ja, danke, dass ihr vorbeigeschaut habt und euch noch viel Erfolg.
00:08:44: Lara Marie Berger Vielen Dank. Danke.
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