Was sagt die EFI-Kommission zur F&I-Politik?

Shownotes

2026 hat die Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI) erstmals an Bundeskanzler Friedrich Merz ihr Jahresgutachten übergeben. Im Fokus stehen dieses Jahr unter anderem Themen wie die Umsetzung der High Tech Agenda Deutschland (HTAD), der Binnenmarkt Europas und sicherheitsrelevante Forschung sowie Innovationen im Hochschulsystem. Darüber sprechen Prof. Dr. Irene Bertschek und Prof. Dr. Carolin Häussler in der neuen Ausgabe von ZEW Wirklich Wirtschaft. Sie sind die Vorsitzende und die stellvertretende Vorsitzende der EFI-Kommission. Das Gespräch führte Podcast-Host Fabian Oppel.

Das EFI-Gutachten 2026: https://www.e-fi.de/fileadmin/Assets/Gutachten/2026/EFI_Gutachten_2026_27126.pdf Mitteilung zum EFI-Gutachten 2026: https://www.zew.de/PM10350 Irene Bertschek im Leibniz-Podcast "Tonspur Wissen": https://rp-online.de/podcasts/tonspurwissen/deutschland-im-innovationsvergleich_aid-145570825

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00:00:08: In Februar hat die Expertenkommission Forschung und Innovation kurz EFI ihr aktuelles Jahresgutachten an Bundeskanzler Friedrich Merz und Forschungsministerin Dorothe Bär übergeben.

00:00:33: Dieses Jahr im Fokus stehen unter anderem Themen wie die Umsetzung der Hightech-Agenda Deutschlands, sicherheitsrelevante Forschungen sowie Innovationen im Hochschulsystem oder der europäische Binnenmarkt.

00:00:44: Ich freue mich sehr, dass ich heute mit der Vorsitzenden und der stellvertretenden Vorsitzende in der EFI-Kommission über das Jahresgutachten sprechen kann.

00:00:52: Mir gegenüber sitzt Prof.

00:00:53: Dr.

00:00:54: Irene Berczek – sie ist die Vorsitzender der EFI-Komission und leitet am ZDW Mannheim den Forschungsbereich Digitale Ökonomie.

00:01:01: Und direkt daneben sitzt Prof.

00:01:03: Dr.

00:01:03: Caroline Häusler, sie ist die stellvertretende Vorsitzende der EFI-Kommission und hält den Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunktorganisationen Technologiemanagement & Entrepreneurship an der Universität Passau.

00:01:15: Hallo ihr beiden schön dass ihr da seid!

00:01:17: Hallo Fabian!

00:01:18: Hallo,

00:01:18: Fabian freut mich.

00:01:20: Mein Name ist Fabian Oppel.

00:01:21: herzlich willkommen bei ZEW Wirklich Wirtschaft.

00:01:24: zum EFI Gutachten.

00:01:27: Das Gutachten ist natürlich sehr umfangreich.

00:01:29: Ich möchte deshalb in diesem Podcast ein paar Schlaglichter auf verschiedene Themen werfen, das gesamte Gutachten stellt die Kommission auf ihrer Webseite zur Verfügung.

00:01:37: den Link dazu findet ihr in der Show Notes.

00:01:43: Das ist eine umfassende Innovations- und Technologieoffensive der Bundesregierung, um Deutschland als führenden Standort für spitzen Technologien zu positionieren.

00:01:51: Dafür fokussiert sie sich auf sechs Schlüsseltechnologien die besonders wichtig und aussichtsreich für die Zukunft sind.

00:01:57: Ziel ist es, die Unabhängigkeit Deutschlands in strategisch wichtigen Bereichen zu erhöhen.

00:02:02: Meine Frage ist jetzt – Die Bundesregierung hat die Hightech-Agenda Deutschland relativ früh nach Amtsantritt beschlossen?

00:02:08: Wie ordnet denn die EFI diese Agenda grundsätzlich

00:02:11: ein?".

00:02:12: Also positiv zu bewerten ist die explizite Priorisierung auf wenige Schlüsseltechnologien mit hohem Innovationspotenzial.

00:02:21: Insbesondere bei der KI ist das der Fall, bei der künstlichen Intelligenz aber es gibt eben auch die Technologie in Quanten, Mikroelektronik, Biotechnologie und klimaneutrale Energieerzeugung und Mobilität.

00:02:34: Und warum ist es so wichtig?

00:02:35: Weil Deutschland hat in den letzten Jahren technologische Rückstände aufgebaut insbesondere gegenüber den USA und auch gegenüber China.

00:02:44: Und die Fokussierung, die jetzt in der HTAD besteht hilft eben vom Gießkernprinzip wegzukommen und die öffentlichen Mittel zu bündeln.

00:02:52: insgesamt ist ein Finanzrahmen von neunzehn Milliarden Euro bis zwanzig-neunundzwanzig vorgesehen.

00:02:57: Im Gutachten wird betont dass Deutschland bei den Schlüsseltechnologien Forschungsseitig gut dasteht aber in der Anwendung zurückfällt.

00:03:05: kannst du das an eine oder zwei Beispiel festmachen?

00:03:08: Also wir haben uns im Gutachten für die sechs Schlüsseltechnologien, die wissenschaftlichen Publikationen angeschaut und die Patente als Maße für die Forschungsstärke und den Transfer.

00:03:20: Und hier zeigt sich, dass die Europäische Union und Deutschland oft stark sind bei Publikationen oder zumindest nicht schlecht.

00:03:27: Aber schwächer bei den Patentanmeldungen – und das sind eben Hinweise auf eine mögliche Transferschwäche.

00:03:33: Beispiel KI- und Mikroelektronik.

00:03:37: Hier ist Deutschland relativ schwach bei dem Patenten, etwas stärker aber bei den Publikasionen.

00:03:43: Und wenn wir uns die selben Indikatoren anschauen für die klimaneutrale Mobilität und die kliman neutrale Energieerzeugung, da ist Deutschland deutlich besser aufgestellt.

00:03:54: Nämlich auf Platz zwei hinter China bei der Klimaneutral-Mobilität und auf Platz drei hinter China und den USA bei der klimaneutralen Energieerzeugung.

00:04:06: Aber was wir insgesamt aus den Analysen schließen und das haben wir auch in früheren Studien schon festgestellt, ist dass die Herausforderungen in Deutschland weniger in der Forschung liegt sondern eher in der Entwicklung und in der Anwendung von Schlüsseltechnologien.

00:04:23: Daran dann anknüpfen Karolin, Deutschland wird häufig eine Schwäche im Transfer attestiert?

00:04:27: Haben wir gerade gehört Also, wie Forschung in die Anwendung kommt.

00:04:31: Gibt hier das E-Vigutachten einen Einblick?

00:04:34: Sind wir da sehr viel schlechter als beispielsweise die USA, die gerade angesprochen wurden?

00:04:39: Aus den Analysen zum Technietransfer im Gutachten ergibt sich zunächst eine gute Nachricht.

00:04:44: Das Erfindungspotenzial von Publikation aus deutschen Universitäten hat sich dem Niveau der USA ziemlich stark angenehrt.

00:04:53: D.h.,

00:04:53: Deutschland wird Forschung betrieben... die sehr relevant ist für Innovation und somit ist der Nährbudden da.

00:05:01: Die Frage ist dann halt, wird das Potenzial realisiert?

00:05:03: Und hier haben wir uns Zitierungen angeschaut, die wissenschaftliche Publikationen im Patentanmeldung erhalten.

00:05:10: Und diese sind ein Indikator dafür inwiefern Technologie-Entwicklungen auch Forschungsergebnisse aus deutschen Hochschulenbezug nehmen.

00:05:21: Und auch hier zeigt sich, dass Deutschland gegenüber den USA sehr stark aufgeholt hat.

00:05:26: Allerdings es gibt nicht nur so gute Nachrichten nämlich zum Einstamm die Patente in denen deutsche Publikationen zitiert werden in wichtigen Technologiefeldern mehrheitlich aus dem Ausland.

00:05:36: das heißt unsere Wissenschaft wird vor allem im Ausland verwertet ein bisschen wie Wissen made in Germany aber profit made abroad.

00:05:45: Zum anderen beobachten wir auch, dass die Zahl der Forschungsbasierten Gründungen aus den Hochschulen und auch die Zahl von hochschulen angemeldeten Patente zurückgeht.

00:05:53: Wie kann denn das Innovationspotenzial unserer Hochschule dann besser genutzt werden?

00:05:57: Was empfehlt denn die EFI hier?

00:05:58: Wir brauchen dringend eine Transferagenda, die dem Transfer dann auch die angemessene Bedeutung zukommen lässt.

00:06:04: Und dazu empfehlen wir eine sogenannte Akteursoffene Strategie... weil natürlich unterschiedliche Akteure jeweils transferrelevante Wissenschaft oder auch Ideen haben.

00:06:20: Und diese unterschiedlichen Akteuren haben vielleicht ganz unterschiedlich Transferpfade, also beispielsweise ob wir jetzt einen Transfer über Köpfe haben im regionalen Innovationsökosystem braucht ganz andere Instrumente wie beispielsweise eine Grundlagenforschung mit viel Potenzial für Innovation.

00:06:41: Und insbesondere für diesen Technologietransfer, also Grundlagen-Forschung die dann in die Anwendung kommt, schlagen wir eine initiative Transferzeit vor denn Zeit ist eben mehrfacher Hinsicht kritisch für Innovation.

00:06:55: zum einen die Personen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die sich in diesem Transfer engagieren sollten sollten natürlich auch die Freiräume bekommen, zum Beispiel über Gründungssemester.

00:07:06: Und zum anderen wenn dann tatsächlich geistiges Eigentum entstanden ist und man hier das in beispielsweise Start-ups einbringen möchte braucht man auch dringend Verfahren die schnell und flexibel sind Um dann eben in dieser Verhandlung zwischen Hochschule, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern und Unternehmen eine faire Aufteilung von Rechten erträgen zu haben.

00:07:31: Und auch Planungssicherheit zu geben.

00:07:34: Spannend!

00:07:35: Irene das nächste Schlaglicht möchte ich gerne auf den europäischen Binnenmarkt werfen wo wir jetzt gerade von den Gründungen auch sprachen.

00:07:42: In Europa fällt das Jungunternehmen schwerer zu wachsen als beispielsweise in den USA.

00:07:47: Ein Grund dafür ist, dass die siebenundzwanzig EU-Staaten alle eigene Vorgaben und Regularien haben, beispielsweise im Gesellschaftsinsolvenz, Arbeits- und Steuerrecht oder auch bei den Anmeldeproziduren.

00:07:57: Das macht es schwerer über Grenzen hinwegzuexpandieren.

00:08:00: Die EFI macht sich in ihrem Gutachten deshalb für der sogenannte achtundzwantigste Regime stark Dass eine EU weit einheitliche Rechtsform vorsieht.

00:08:09: Die EU hat inzwischen auch einen Vorschlag veröffentlicht, wie so etwas aussehen könnte.

00:08:13: Wie sieht denn der Vorschlag aus?

00:08:15: Der Vorschlag der EU-Kommission, die jetzt vorliegt, sieht eine Rechtsform vor – die EU ING, die dann in allen siebenundzwanzig Mitgliedstaaten der EU gelten soll.

00:08:27: und was besonders wichtig ist es ist vorgesehen diesen Vorschlag in Form einer Verordnung umzusetzen.

00:08:34: D.h.,

00:08:35: der Vorschlag würde, wenn er dann angenommen wird – da wären ja jetzt auch noch die Trilogverhandlungen geführt -, der würde direkt in allen Mitgliedstaaten gelten und müsste nicht erst im nationalen Recht umgesetzt

00:08:49: werden.".

00:08:51: Und zur Registrierung von Unternehmen soll es eine Schnittstelle geben, die dann die Eingaben eines Unternehmens an die nationalen Systeme übermittelt.

00:08:59: Das heißt hier wären weniger Anmelde, Prozeduren nötig als das bisher der Fall

00:09:07: ist.".

00:09:07: Es gibt dann noch weitere Elemente, zum Beispiel soll für die Auslegung eventueller Streitfälle nationale Gerichte zuständig sein und auch das Insolvenzverfahren soll erleichtert werden insbesondere für innovative Startups.

00:09:20: Wie

00:09:20: ordnet denn die EFI diesen Vorschlag ein?

00:09:22: Die EFI hatte ja selber auch nochmal einen Kapitel dazu in ihrem Jahresgutachten.

00:09:26: Also was wir auf jeden Fall sehr gut finden ist, dass geplant ist diesen Vorschlag als Verordnung umzusetzen.

00:09:35: Sodass zusätzliche nationale Unterschiede vermieden werden.

00:09:40: Als Richtlinie hätte dann jedes Land wieder seine eigene Regelung daraus gemacht und das hätte ziemlich lange gedauert.

00:09:47: Ein weiterer Vorteil ist auch, Ja, durch diese eher kleinere Lösung jetzt der politische Widerstand geringer ist und eine schnellere Implementierung möglich ist.

00:10:01: Was wahrscheinlich eine Herausforderung ist es die Definition eines innovativen Start-ups zu klären weil das ist geplant dass eben innovative Start ups sich als EUink anmelden können.

00:10:14: prinzipiell erst mal gut, aber die Praxistauglichkeit muss überprüft werden.

00:10:19: Also wie kann man dann entscheiden ob ein Start-up innovativ ist oder nicht?

00:10:24: Und das sind eben Einzelheiten, die jetzt geklärt werden müssen.

00:10:28: Aber was ganz wichtig ist, was wir als wichtig erachten ist anstatt eine Regelung zu finden, die alles im Detail durchdekliniert und erklärt es ist wichtig dass man mit einer kleinen Lösung in die Umsetzung kommt.

00:10:45: Also, ne?

00:10:46: Die EU-Ink als Startpunkt mit einzelnen Rechtsregimen, die jetzt angepasst werden.

00:10:54: aber man muss nicht gleich alles umsetzen und da ist es wichtig möglichst schnell und pragmatisch voranzukommen.

00:11:02: Okay, dann sind wir gespannt wie sich das Thema weiterentwickelt.

00:11:05: Caroline, das nächste Schlaglicht die EFI betont dass Forschung und Innovation zu einem Sicherheitsfaktor für Deutschland werden.

00:11:12: was heißt das denn konkret?

00:11:13: Letztendlich geht es darum strategisch und technologisch besser als diejenigen aufgestellt zu sein die uns bedrohen damit wir abschrecken und uns im ernstfall auch verteidigen können.

00:11:23: Es geht also hier durchaus darum auch technologische eben ganz vorne zu sein Also Sicherheits Faktor Für Deutschland.

00:11:31: Allerdings haben wir Nachholbedarf, weil es reicht nicht nur einfach mal Mittelbereit zu stellen.

00:11:36: Wir müssen diese effektiv und effizient einsetzen und dafür haben wir einige Empfehlungen.

00:11:43: zum einen um die Strategiefähigkeit zu erhöhen sollte die sicherheitsrelevante Forschung und Lehre gestärkt werden.

00:11:50: Insbesondere sollten auch gezielt der ein oder andere wissenschaftliche Leuchtturm geschaffen oder ausgebaut werden, der sich auf sicherheitspolitisch relevante Themen spezialisiert und dann dieses Wissen eben auch mit geeigneten Kanälen in die Politik transferiert.

00:12:04: Weil die Politiker müssen ja unter einer sich ständig wandelnden Betrugungslage agieren können.

00:12:10: Das Weiteren muss der Kreis der Akteure, die in der Sicherheits- politisch relevanten Forschung und Innovation tätig sind erweitert wären.

00:12:18: Warum ganz einfach?

00:12:20: weil die technologischen Lösungen der Zukunft nicht notwendigerweise von den etablierten klassischen Akteuren entwickelt, beziehungsweise angeboten werden.

00:12:28: Und seitens der Wissenschaft und der Unternehmen besteht durchaus Interesse sich stärker in dem Bereich auch zu engagieren.

00:12:34: Das heißt kurzum wir brauchen neue Akteure, startups interessierte Unternehmen wissenschaftliche Einrichtung, die man einbindet und mit der Truppe vernetzt um dann innovative Lösungen zu fördern.

00:12:47: Und dazu braucht es aber dann wiederum Begegnungsmöglichkeiten.

00:12:51: Hier gibt's auch einige Initiativen, die sehr vielversprechend sind zum Beispiel das neue Innovationszentrum der Bundeswehr in Erding wo eben genau Forschung, Innovation und militärische Praxis zusammen gebracht werden.

00:13:03: Ja und auch das Thema Gründungen aus der Bundeswähr sollte angegangen werden weil wir sehen halt auch in anderen Ländern da entstehen wertvolle Unternehmen die sowohl im Militärischen als auch im zivilen Bereich tätig sind.

00:13:17: Also kurzum diese Verteidigungsausgaben, die müssen wir als Katalysator nutzen für Innovationen.

00:13:25: Für wirtschaftliche Resilienz und auch für Wohlstand.

00:13:29: Und dafür müssen wir jetzt dringend die strukturellen Grundlagen schaffen.

00:13:34: Also ein Appell auch an die Zukunft!

00:13:36: Liebe Irene und liebe Caroline ich danke euch beiden für die Zeit und die spannenden Einblicke in das EFI Gutachten, Liebe Zuhörerinnen und Zuhöhrer, auch euch herzlichen Dank fürs Interesse und fürs Zuhören bei ZEW.

00:13:49: wirklich wirtschaft.

00:13:50: Den Link zum E-Vee-Gutachten findet ihr in den Show notes Wenn noch nicht geschehen abonniert gerne den Podcast und gebt uns fünf Sterne.

00:13:57: Bewertungen Fragen und Rückmeldungen könnt ihr jederzeit gerne stellen über Instagram an unseren Account zew manheim dem natürlich auch gerne folgen dürft.

00:14:06: Wir freuen es auf eure Zuschriften.

00:14:08: machts gut.

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