Führen private Hochschulcampi zum Erfolg?
Shownotes
Private Hochschulcampi können die regionale Wirtschaft messbar stärken: Eine gemeinsame Analyse des ZEW Mannheim und des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung ISI zeigt, dass Campusgründungen das lokale Bruttoinlandsprodukt langfristig um rund 1,5 bis 2,1 Prozent erhöhen können. In der neuen Folge des ZEW-Podcasts „Wirklich Wirtschaft“ spricht Dr. Bastian Krieger, Wissenschaftler im ZEW-Forschungsbereich „Innovationsökonomik und Unternehmensdynamik“ und Leiter der Nachwuchsforschungsgruppe „Co-Creation“, über die wirtschaftlichen Effekte privater Hochschulen, regionale Unterschiede und die Bedeutung für die Hochschul- und Regionalpolitik. Im Mittelpunkt der Folge steht die Frage, ob private Hochschulcampi als wirtschaftliche Impulsgeber für Regionen wirken können. Besonders deutlich fallen die positiven Effekte in ländlichen und intermediären Regionen aus, während sich für große Städte kaum messbare Auswirkungen zeigen. Gleichzeitig machen die Ergebnisse deutlich, dass solche Impulse Zeit brauchen: Die wirtschaftlichen Effekte treten nicht unmittelbar ein, sondern werden teils erst nach vielen Jahren sichtbar. Damit liefert die Studie wichtige Hinweise darauf, wie private Hochschulgründungen gezielt zur regionalen Entwicklung beitragen können.
Studie: https://www.zew.de/fileadmin/FTP/policybrief/de/pb07-26.pdf Pressemitteilung zur Studie: https://www.zew.de/PM10423
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Transkript anzeigen
00:00:08: ZEV wirklich wirtschaftkompakt.
00:00:13: Ein Podcast des Leibnizzentrums für europäische Wirtschaftsworschung
00:00:24: in Mannheim.
00:00:42: Besonders stark profitieren jedoch ländliche Regionen, während sich für große Städte kaum Effekte nachweisen lassen.
00:00:48: Welche Rolle können also private Hochschulen künftig als wirtschaftlicher Impulsgeber spielen?
00:00:53: Darüber spreche ich heute mit Studienautor Dr.
00:00:55: Bastian Krieger aus dem ZDW Forschungsbereich Innovationsökonomik und Unternehmensdynamik sowie Leiter der Nachwuchsforschungsgruppe Co-Creation.
00:01:03: Mein Name ist Pascal Ausederer.
00:01:05: Herzlich willkommen zum ZDV Podcast Wirklich Wirtschaft!
00:01:08: Hallo Bastian schön dass du heute bei mir im Podcast zu Gast bist.
00:01:11: Ja sehr gerne
00:01:12: Starten wir direkt rein.
00:01:13: Ihr habt euch in eurer Studie mit den wirtschaftlichen Effekten privater Hochschulkampi beschäftigt, was war die zentrale Fragestellung und warum ist sie gerade jetzt relevant?
00:01:22: Unsere zentrale Frage war, ob Gründungen privater Hochschulkampi die lokale wirtschaftliche Aktivität steigern.
00:01:27: Und ob das davon abhängt in welchem regionalen Umfeld diese Campus entstehen?
00:01:32: Das ist gerade deshalb relevant weil private Hochschulen in Deutschland seit den neunzig- neunzehnneunziger Jahren stark gewachsen sind und bislang aber kaum klar war, wo sich auch diese Hochschule als regionale Wirtschaftsfaktoren herausstellen.
00:01:46: Uns hat dabei besonders interessiert, Hochschulen, gerade in ländlichen Regionen oder auch intermediellen Regionen und städtischen Regionen einen Unterschied machen können.
00:01:58: Die Ergebnisse zeigen jetzt einen Anstieg des lokalen BIPs um rund ein bis zwei Prozent nach Campusgründung.
00:02:05: Wie muss man sich diesen Effekt in der Realität konkret vorstellen?
00:02:09: vor Ort?
00:02:09: Wichtig zuerst!
00:02:11: Wir sprechen nicht von einem sofortigen Sprung, sondern von einem über die Zeit sich aufbauenden Effekt.
00:02:16: Und im Durchschnitt finden wir das Region mit einer privaten Campusgründung langfristig ein rund als Komma fünf bis zwei Komma eins Prozent höhere lokale wirtschaftliche Aktivität haben.
00:02:26: Das heißt allerdings natürlich nicht dass ein einzelner Campus allein die gesamte Region regionale Entwicklung bestimmt.
00:02:33: Er kann ein zusätzlicher Impulsgeber sein, etwa durch neue Studierende, Beschäftigte eine lokale Nachfrage oder auch insbesondere durch das Erstellen engerer Verbindung von bereits dort existierenden regionalen Akteuren.
00:02:46: Besonders spannend ist die Effekte unterscheiden sich stark nach Regionstyp.
00:02:49: Warum profitieren vor allem ländliche Regionen und intermediäre Regionen also Regionen mit mittlerer Bevölkerungsdichte?
00:02:56: Unsere Interpretation ist, dass private Hochschulen in insbesondere bevölkerungsdichten Regionen eher kleinere Akteure sind und keine große Bedeutung spielen.
00:03:06: Dort gibt es auch meistens bereits viele andere Hochschule – Unternehmen, intermediäre und öffentliche Einrichtungen.
00:03:12: In Regionen mit einer geringeren Bevölkerungsdichte zum Beispiel in ländlichen Regionen oder auch intermediären Regionen was dann eine mittlere Bevölkerungssicht darstellt, ist das institutionelle Umfeld dagegen oft dünner Und dort kann selbst ein kleiner privater Campus relativ gesehen eine deutlich wichtiger Rolle einnehmen.
00:03:28: Er kann dort wirken als Ausbildungsort, als Vernetzer und auch als neuer Anker für regionale Entwicklung.
00:03:34: Genau das sehen wir dann auch empirisch.
00:03:36: Für besonders städtische Regionen finden wir keinerlei statistisch signifikanten Effekte.
00:03:40: Wohin gehen wir für ländliche und intermediäre Regionen dagegen klare positive Effekten?
00:03:45: Du hattest schon angesprochen diese positiven wirtschaftlichen Effekter.
00:03:49: die zeigen sich erst nach einer langen Zeit also durchaus über viele, viele Jahre hinaus.
00:03:55: Warum dauert das eigentlich so lange?
00:03:57: Das passt sehr gut zu unseren vermuteten Wirkungsmechanismen!
00:04:00: Ein neuer Campus entfaltet seine wirtschaftlichen Effekte nicht von heute auf morgen, sondern Studierende müssen erst ausgebildet werden.
00:04:08: Absolventinnen und Absolventen müssen erst in den regionalen Arbeitsmarkt eintreten, Kooperation mit lokalen Akteuren entstehen und sich stabilisieren.
00:04:15: über die Zeit Wenn Hochschulen zur regionalen Entwicklung beitragen dann einfach oft über einen solchen graduellen Prozess Und deshalb sehen wir in den ersten Jahren nur sehr kleine Effekten während sie sich erst nach rund zehn Jahren statistisch klar sichtbar machen.
00:04:28: Was bedeuten eure Ergebnisse konkret für die regional und für die Hochschulpolitik in Deutschland?
00:04:33: Unsere Ergebnisse sprechen dafür, private Hochschulkründungen nicht als überall gleich wirksames Instrument zu verstehen.
00:04:40: Sie scheinen vor allem dortwirtschaftlich relevant zu werden wo das regionale Umfeld weniger dicht besetzt ist also eher außerhalb großer städtischer Zentren.
00:04:49: Für die Politik heißt das konkret, wenn man private Hochschulen als regionalen Entwicklungsimpuls begreift sollte man stärker auf den Standortkontext schauen und außerdem durch die langsame Entfaltung der Effekte sollte man die Gründung nicht zu früh bewerten.
00:05:04: Wer regionale Wirkung erwartet braucht einen langen Zeithorizont.
00:05:09: Lieber Wasdian vielen Dank für deine Zeit.
00:05:11: Danke gerne
00:05:12: Und auch euch vielen dank fürs Zuhören.
00:05:14: Das war der ZDW-Podcast zu den wirtschaftlichen Effekten privater Hochschulkampi mit ZDWEkonom Dr.
00:05:20: Bastian Krieger.
00:05:21: Wenn ihr mehr über die gemeinsame Studie von ZDWe Mannheim und Frauenhofer Easy erfahren möchtet, schaut gerne auf unserer Webseite www.zdw.de vorbei.
00:05:30: Weitere Informationen findet ihr auch in den Show Notes oder auf unseren Social Media Kanälen.
00:05:34: Mein Name ist Pascal Ausederer.
00:05:36: Vielen Dank für euer Interesse Und bis zur nächsten Folge von Wirklich Wirtschaft.
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