Was kostet ein Feiertag?
Shownotes
In Deutschland gibt es – je nach Bundesland – jährlich zwischen neun und dreizehn gesetzliche Feiertage. Doch was bedeuten diese Tage für die Wirtschaft? Wie wirken sie sich auf die Produktivität, die Arbeitszeit und das Bruttoinlandsprodukt aus? Antworten auf diese Fragen hat Dr. Eduard Brüll, Wissenschaftler im ZEW-Forschungsbereich „Arbeitsmärkte und Sozialversicherungen“.
Das Gespräch führte Podcast-Host Bastian Thüne. Der Podcast ist auf allen gängigen Podcastplattformen, zum Beispiel auf Spotify, Apple Podcasts oder Deezer, sowie auf der ZEW-Webseite verfügbar.
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00:00:08: In Deutschland gibt es jährlich zwischen neun und dreizehn gesetzliche Feiertage, je nach Bundesland.
00:00:28: Doch was bedeuten diese Tage für die Wirtschaft?
00:00:30: Wie wirken Sie sich auf die Produktivität, die Arbeitszeit und das Protoinlandsprodukt aus?
00:00:36: Um diese Fragen zu beantworten begrüße ich heute Dr.
00:00:39: Eduard Brüll Wissenschaftler im Forschungsbereich, Arbeitsmärkte- und Sozialversicherung am ZDW.
00:00:45: Er hat zu dem Thema geforscht und erklärt uns was es mit den ökonomischen Kosten von Feiertagen auf sich hat.
00:00:51: Mein Name ist Bastian Thühne.
00:00:52: herzlich willkommen zur ZDV Wirklich Wirtschaft.
00:00:55: Den Podcast des Leibnizzentrums für europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim.
00:01:00: Hallo Eddie, schön dass du heute bei uns bist.
00:01:02: Hallo Bastian, danke für die Einladung!
00:01:04: Ja sehr gerne.
00:01:06: Eddie wie kann man eigentlich überhaupt die Kosten von Feiertagen ausrechnen?
00:01:09: Ich stelle mir das relativ schwer vor.
00:01:12: Das ist tatsächlich nicht so einfach.
00:01:14: Man hat halt einen Grundproblem, wenn man die Kosten von Feiertagen für die Gesamtwirtschaft berechnen will weil man könnte jetzt den ökonomischen Output zwischen zwei Ländern oder zwei Zeiträumen vergleichen aber dann würde man den Feiertagseffekt mit vielem anderen vermischen unterschiedliche Kulturen in Ländern und unterschiedliche Zeitpunkte Und dafür braucht man jetzt ein natürliches Experiment um das sauber zu machen.
00:01:36: Genau das gibt es eigentlich schon in Deutschland.
00:01:38: Es ist einfach was der Kalender uns bietet und Sonntagsregel in Deutschland.
00:01:43: Sonntagen wird nicht gearbeitet, an Feiertagen wird nie gearbeitet.
00:01:46: Dann einen Feiertag auf den Sonntag fällt gibt es eh ein Beschäftigungsverbot.
00:01:51: Im Grunde ist ein Feiertage verloren weil an dem Sonntage sowieso nicht geararbeitet worden wäre.
00:01:56: dann kann man Monate vergleichen denselben feiertag in Monaten vergleichend wo der offen sonntag fehlt und in monaten wo er nicht auf den sonntak fällt.
00:02:06: Das sind immer verschiedene Jahre und die vergleicht man.
00:02:08: Und hat dann natürlich das Experiment, kann sich den zusätzlichen wirtschaftlichen Ausfall davon aussehen wenn der Feiertag nicht auf einen Sonntag fällt?
00:02:16: Genau also wie du gesagt hast es reicht jetzt nicht einfach nur den Wegfall von einem Tag zu nehmen sondern man muss da noch ein paar Sachen mehr beachten.
00:02:23: Du hast ja jetzt gesagt mit den Sonntagen geht das eh ganz gut.
00:02:26: Mit dem Beschäftigungsverbot magst du uns verraten wie hoch jetzt wirklich die gesamtwirtschaftlichen Kosten sind.
00:02:33: Ich habe jetzt eine Schätzung in meinem Paper, bei der ich die Erhebung aus dem Verarbeitengewerbe benutze und mir anschaue wie sich der Umsatz im Verarbeitengewerbe und die Arbeitsstunden ändern wenn Feiertag auf den Sonntagsfeld statt auf dem Werktag.
00:02:49: Und dann geht der Umsatz pro Beschäftigten um drei Prozent zurück in den Monat und die Arbeitstunden steigen um zwei Prozent.
00:02:56: Das klingt erst mal nach einem sehr großen Effekt im Vergleich aber das sind halt Effekte innerhalb des Monats Wenn man das aufs Jahr hochrechnet und annimmt, dass es nur das verarbeitende Gewerbe treffen würde dann hätte man Null Komma Null fünf Prozent vom BIPO oder zwei Komma drei Milliarden Euro.
00:03:11: Und würde man jetzt diesen Effekt eins zu eins auf die Gesamtwirtschaft übertragen, was eine sehr, sehr hohe starke Annahme ist.
00:03:19: Weil einige Branchen wie Hotellerie oder Ähnliches sogar von Feiertagen profitieren?
00:03:24: Dann würde man auf elf Milliarden als Maximum kommen etwa Null Komma zwei acht Prozent des Bips.
00:03:29: Die Wahrheit liegt aber wahrscheinlich irgendwo dazwischen.
00:03:32: Ich habe halt auch einen ergänzenden Test gemacht mit einem breiteren Wirtschaftsindex.
00:03:37: Das ist etwas schwieriger zu machen weil man viel weniger ist die Datenqualität nicht ganz so gut, man hat halt viel weniger Auflösung über Bundesländer und Jahre.
00:03:47: Und da komme ich auf etwa vier bis fünf Milliarden Euro.
00:03:51: Klingt nach sehr viel, ist aber auch die Gesamtwirtschaft gerechnet kein riesiger Effekt?
00:03:55: Also wenn man das gesamte BIP, also Proto-Inderns Produkt betrachtet, ist es halt auch ein relativ geringer Teil.
00:04:01: jetzt wird ja öfter diskutiert über die Einführung neuer Feiertage oder die Abschaffung von Feiertagen.
00:04:07: oder gibt es manchmal die Debatte um prückentage?
00:04:10: Was bedeuten deine Zahlen für politische Entscheidungen?
00:04:15: Zunächst einmal bedeutet das Feiertagen messbar, aber vergleichbar moderaten wirtschaftlichen Effekt haben.
00:04:21: Das ist etwas kleiner als wenn man einfach das Jahr durch die Arbeitstage teilt und das als Schätzung für das BIP nimmt.
00:04:28: Und bei politischen Debatten sollte man halt einen Blick behalten dass es schon reale Kosten gibt.
00:04:32: also falls man jetzt sagt dass man jeden Brückentag nachholen sollte führt das halt bei den entsprechenden Jahren zu reellen Verlusten von paar Milliarden Euro, das ist nicht nichts.
00:04:42: Aber gleichzeitig ist es in der Debatte darum ob die Abschaffung von einem Feiertag groß ökonomische Effekte hat.
00:04:49: Da stellt man halt fest dass das keine riesigen Auswirkungen sind.
00:04:53: Also bevor
00:04:53: ich jetzt die letzte Frage stelle dann nochmal die kretschen Frage findest du man sollte oder könnte Feiertage aus wissenschaftlicher Sicht abschaffen?
00:05:02: Wenn es jetzt nur um die ökonomischen Kosten geht oder sagst du, das ist so moderat dass es jetzt wahrscheinlich andere Maßnahmen gäbe, die mehr bringen würden.
00:05:11: Meine Studie misst halt.
00:05:12: vor allem kurzfristige Produktionseffekte und langfristige Vorteile von Feiertagen kann ich damit nicht messen.
00:05:17: Das sind Erholungseffekt für Gesundheit wohl befinden soziale Koordination für soziale Bindung Dass man sich an bestimmten Tagen eher trifft Und das ist alles darin nicht enthalten.
00:05:28: Und letztendlich gibt es einen schwer zu messenden Wert und direkt zu messende ökonomische Kosten.
00:05:35: Jetzt kennen wir die ökonomischen Kosten, meine Schätzung und auch ein paar andere.
00:05:41: Am Ende ist das eine gesellschaftliche Entscheidung, die nicht nur an ökonymischen Werten liegt.
00:05:45: Es muss abgewogen werden – es sind auch häufig religiös- und kulturell verankerte Feiertage.
00:05:52: Und da muss dann halt gesamtgesellschaftlich abgewogen werden, ob uns das Wert ist was so ein Feiertag
00:05:59: kostet.
00:06:00: Definitiv!
00:06:01: Damit hast du jetzt quasi auch schon die letzte Frage vorweggenommen.
00:06:04: und es stimmt bei der Beurteilung von Feiertagen sollte es nicht nur um die reinen Kosten gehen sondern ich meine dass kann ja auch der Motivation dienen wenn man frisch ausgeruht zur Arbeit geht.
00:06:14: Es steckt das Gemeinschaftsgefühl was vielleicht auch im Endeffekt auf die Lebenszufriedenheiten damit auch auf die Gesundheit auf der Arbeit einwirkt.
00:06:22: Ja, also bleibt es dabei?
00:06:24: Ist weiterhin eine politische Entscheidung.
00:06:27: Es ist in erster Linie eine politischere Entscheidung nur die Kosten zu kennen.
00:06:32: kosten alleine reichen nicht.
00:06:33: das ist jetzt keine ganz klare Sache wie bei anderen ökonomischen Entscheidungen.
00:06:38: hier gibt's einen Benefit hier gibt es Kosten.
00:06:40: man muss abwägen ob es einem das wert ist.
00:06:42: Dann vielen Dank Eddie für die spannende Einordnung und auch dafür dass du uns heute besucht hast.
00:06:47: dann vielen dank für das interview heute und danke fürs nette Gespräch.
00:06:50: sehr gerne Und auch vielen Dank an alle Zuhörerinnen und Zuhöre.
00:06:54: Das war der ZDW-Podcast zu den ökonomischen Kosten von Feiertagen mit Dr.
00:06:59: Eduard Prüll, Wissenschaftler im ZDF Forschungsbereich, Arbeitsmärkte und Sozialversicherung.
00:07:05: Noch mehr Informationen findet ihr auf unserer Website www.zewe.de in den Shownotes und auch auf unseren Social Media Kanälen.
00:07:15: Mein Name ist Bastian Thühne.
00:07:16: Bis bald!
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