30.000 Euro Einkommensverlust von Müttern

Shownotes

Kinder zu bekommen, führt für viele Mütter zu spürbaren Einkommenseinbußen. In der neuen Background-Folge des ZEW-Podcasts „Wirklich Wirtschaft“ erklärt Dr. Lukas Riedel aus der Forschungsgruppe „Ungleichheit und Verteilungspolitik“, warum neue Schätzungen zu dem Schluss kommen, dass der Verlust sogar noch höher ausfällt als bislang bekannt war. Seine Studie zeigt: Im vierten Jahr nach der ersten Geburt liegt der durchschnittliche Einkommensverlust von Müttern bei rund 30.000 Euro – etwa ein Drittel höher als nach der bislang üblichen Schätzmethode. Riedel erläutert zudem, wie die Verluste durch Arbeitsunterbrechung und Teilzeit vom entgangenen Einkommenswachstum verstärkt werden – und welche Rolle Kinderbetreuung und verlässliche Infrastruktur spielen, damit ein Kind keinen zwingenden Einkommensverlust bedeuten muss. Das Gespräch führte Podcast-Host Fabian Oppel.

Studie: https://ftp.zew.de/pub/zew-docs/dp/dp25033.pdf Pressemitteilung zur Studie: https://www.zew.de/PM9499

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Transkript anzeigen

00:00:08: Das sagt nicht ich, sondern das besagt das Konzept der sogenannten Child-Panelty.

00:00:29: Insbesondere Mütter verlieren nach der Geburt große Teile ihres Einkommens.

00:00:34: Neue Zahlen einer ZDW-Studie zeigen dass dieser Einkommenverlust von Müttern noch wesentlich höher liegt als bisher angenommen Und darüber möchten wir heute sprechen.

00:00:43: Mein Name ist Fabian Oppel und mit mir im Podcaststudio sitzt der Co-Autor dieser Studie, Dr.

00:00:48: Lukas Riedl.

00:00:49: Hallo Lukas!

00:00:49: Vielen Dank dass du dir die Zeit nimmst.

00:00:50: Hallo sehr gerne.

00:00:52: Du

00:00:52: bist Wissenschaftler in der Forschungsgruppe Ungleichheit und Verteilungspolitik am ZDW Mannheim und hast die Studie über die wir heute Sprechen wollen mit ZDV alumna Dr.

00:01:00: Valentina Melentjeva geschrieben, die inzwischen an der Universität Tilburg forscht?

00:01:05: Vielleicht Lukas zum Einstieg erst einmal trockenen Begriffsdefinitionen.

00:01:09: was ist denn Child Penalty?

00:01:11: Wie du schon gesagt hast, Child Penalty bezeichnet grob gesprochen den Einkommensverlust von Müttern nach der ersten Geburt.

00:01:20: Den Begriff gibt es schon länger geht zurück auf eine Studie von Henry Kleven und Co-Autor aus dem Jahr zwei Tausend Neunzehn damals zuerst zu Dänemark dann zu anderen Ländern.

00:01:33: zum Begriff ist aber auch wichtig zu bemerken wir sollten statt von einerseits Motherhood sprechen, denn es geht weniger um das Kind an sich sondern eher um den Umstand Mutter zu sein.

00:01:51: Außerdem statt Penalty sollte man vielleicht lieber schlicht bei dem beschreibenden Begriff Effekt bleiben.

00:02:00: Denn Penalte impliziert so eine Art monokausale Ursachewirkung fehlverhalten Strafebeziehungen die der Komplexität des Phänomens, dass sich aus diversen unterschiedlichen Gründen zusammensetzt nicht ganz gerecht wird.

00:02:19: Okay aber das ist ja schlecht interessant.

00:02:22: Viele Menschen wissen, dass Mütternachtergebot weniger verdienen.

00:02:24: Das ist seit Jahren immer wieder in den Medien auch thematisiert worden.

00:02:28: Eure Studie hat jetzt rausgebracht, dass der Einkommensverlust von Müttern noch höher ist als bisher bekannt war.

00:02:36: Wie ordnest du es denn ein?

00:02:37: Genau wir wissen bereits Der Einkommensverlust nach der ersten Geburt ist hoch.

00:02:43: Das wissen wir aus Studien, die schon vorlegen.

00:02:46: Wir wissen auch dass dieser Einkommen Verlust in Deutschland im Vergleich zu anderen Industrieländern nochmal besonders hoch ist beziehungsweise Deutschland und andere deutschsprachige Länder.

00:03:00: Zu dem passen unsere Ergebnisse dazu was die Arbeitsmarktforschung zum Verlauf von Karrieren herausgefunden hat.

00:03:11: Und unsere Ergebnisse zu den Verlusten und wann die erste Geburt stattfindet, die fügen sich darin ziemlich nahtlos ein?

00:03:21: Wenn wir mal ein bisschen konkreter was sind in eure Kernergebnisse?

00:03:25: also zum einen die Zahl, die jetzt relativ bekannt geworden ist?

00:03:30: Wir kommen auf einen durchschnittlichen Einkommensverlust im vierten Jahr nach der ersten Geburt von rund dreißigtausend Euro.

00:03:41: Das ist ungefähr ein Drittel größer als das, was man bekommen würde wenn man die bislang konventionelle Schätzmethode nutzen würde?

00:03:52: Der Unterschied liegt also im Vorgehen.

00:03:54: Genau!

00:03:55: Zwanzichtausend

00:03:55: Euro Verlust mit der alten Methode.

00:03:57: Eure korrigierte Methode kommt auf dreizigtausende Euro, also zehntausenden Euro mehr Verluste als bisher geschätzt.

00:04:05: größere Verlust, der setzt sich dann

00:04:10: aus

00:04:11: unterschiedlichen Teilaspekten zusammen.

00:04:14: Zu einerseits finden wir das ältere Mütter die im Durchschnitt besser gebildet sind und vor der ersten Geburt ein höheres Einkommen haben, dass sie in absoluten Zahlen die größeren Einkommenseinbußen haben, besser an die Karriere, die sich vor der ersten Geburt aufgebaut haben anschließen können.

00:04:39: Im Vergleich dazu jüngere Mütter für die finden wir einen größeren Effekt durch Entgang des Wachstum im Einkommen.

00:04:51: Das hat dann einen eher längerfristigen Effekt im weiteren Karrieremerlauf.

00:04:57: Okay das ist ja schon mal interessant.

00:04:58: ich würde gerne auf die dreißigtausend Euro noch einmal zu sprechen kommen.

00:05:01: Was wurde denn hier verglichen?

00:05:02: Also worauf bezieht sich die Zahl.

00:05:05: Die Zahl konkret, das ist bezogen auf den Bruttojahresverdienst aus sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung.

00:05:14: und wir kommen auf die Zahl in dem wir Mütter im vierten Jahr nach der ersten Geburt vergleichen mit Frauen im gleichen Alter, die zu dem Zeitpunkt aber noch kein Kind bekommen haben.

00:05:28: Das Einkommen der Mütter vier Jahre nach der Geburt ist ja im Normalfall oder in Deutschland zumindest.

00:05:33: Im Normalfallen nicht Vollzeit, oder?

00:05:35: Genau!

00:05:37: Wir vergleichen für die Frauen, die noch kein Kind bekommen haben da beobachten wir primär Vollzeitarbeit.

00:05:46: Nach der ersten Geburt is Vollzeittarbeit nicht ausgeschlossen aber häufig beobachen wir nur Teilzeitarbeiten außerdem direkt nach der Geburt eine mehr oder weniger lange Beschäftigungsunterbrechung.

00:06:02: In manchen Fällen auch ein endgültiges Ausscheiden aus dem Arbeitsmarkt.

00:06:06: Okay,

00:06:07: und also was mich jetzt interessiert ist wie aussagekräftig ist denn dann diese absolute Zahl von dreißigtausend Euro?

00:06:13: Weil wäre das da nicht auch in gewisser Weise im Vergleich von Äpfel und Birnen wenn man jetzt Vollzeit-Einkommen mit Teilzeiteinkommen vergleicht?

00:06:20: weil dass jemand in Teilzeit weniger Geld verdient als jemand in Vollzeit ist ja selbsterklärend.

00:06:25: Das ist einerseits selbst erklärt, es ist aber auch Teil des Effekts.

00:06:30: und nur wenn wir einkommen also das Produkt aus Stundenlohn und gearbeiteter Zeit betrachten können wir den Aspekt der Arbeitszeit mit in die Beobachtung aufnehmen.

00:06:45: Außerdem der Blick auf andere Länder und dass wir dort sehen, und dass das Verhalten von Müttern anders aussieht, impliziert ja auch, dass ein derartiger Verlust wie wir ihn in Deutschland sehen keinesfalls eine Notwendigkeit darstellt.

00:07:05: Wir legen mit einer Betrachtung der Einkommen also den umfassendst möglichen Blick vor.

00:07:15: Dadurch, dass wir Einkommen betrachten können wir außerdem die Einkommensverluste in direkte und indirekte Verluste unterteilen.

00:07:27: Das heißt konkret, wir beobachten zum einen direkte Einkommenzverlust dadurch dass Frauen nach der Geburt eine Arbeitsunterbrechung haben und das sie dann weniger Stunden arbeiten unter Umständen.

00:07:43: Wir beobacht aber auch indirekter Einkommenseinbußen der Arbeitsunterbrechung und während einer Zeit von Teilzeitarbeit weniger Möglichkeiten bestehen, die Karriere weiterzuentwickeln.

00:08:01: Und dass dadurch auch Verluste durch Entgangenes Wachstum im Einkommen entstehen.

00:08:07: Diese direkten Verlusten sind stärker ausgeprägt bei älteren Müttern.

00:08:14: Die indirekten Verliste durch das entgangene Einkommenswachstum spielen eine größere Rolle für Frauen, die in einem eher jüngeren Alter ihr erstes Kind bekommen haben.

00:08:24: Okay also ihr beobachtet verschiedene Effekte für verschiedene Alter?

00:08:29: Genau.

00:08:31: Gibt es den Gruppen, in denen die Einkommensverluste besonders stark oder schwach ausfallen... Also du hast jetzt gerade eben schon angesprochen das Alter spielt mit aber gibt's noch weitere Gruppen?

00:08:40: Das Alter ist in dem Sinne wichtig als dass es eng zusammenhängt mit den Charakteristika der Mütter, die wir beobachten.

00:08:51: Das heißt Frauen je älter sie bei der ersten Geburt sind sind üblicherweise besser ausgebildet haben ein höheres Einkommen.

00:09:02: wenig überraschend haben Sie auch mehr Berufserfahrung arbeiten in besser besser bezahlten Berufen.

00:09:11: interessanterweise sehen wir auch Frauen die älte ihr erstes Kind bekommen haben haben wiederum Eltern, die auch besser ausgebildet waren.

00:09:22: Wenn wir dann innerhalb des Alters nochmal genauer unterteilen nach dem Bildungsabschluss also wenn wir die Effekte nicht nur nach dem Alter sondern nach Alter und Bildungsabschluss schätzen Dann finden wir dass wir für Frauen die eine höhere Bildung haben in unserer Einteilung Frauen mit Universitätsabschluss, für die ist die Entwicklung der Karriere auch nach dem Bildungsabschluß besonders wichtig um Einkommenswachstum zu generieren.

00:09:58: Daraus folgt dann wiederum dass wir für diese hoch gebildeten Frauen einen besonders starken Abfall im Einkommen nach der ersten Geburt beobachten.

00:10:09: Also das ist ja eine logische Folge, Sie verdienen viel und dadurch dass sie dann aus dem Beruf erstmal raus sind, verdienen Sie sehr viel weniger?

00:10:15: Das ist ein Aspekt!

00:10:16: Der andere Aspekt der dabei aber auch eine Rolle spielt ist weil eben für diese Frauen... ...das Wachstum im Einkommend und die kontinuierliche Weiterentwicklung der Karriere wichtig ist.

00:10:28: sehen wir das für diese hoch gebildeten Frauen der Aspekt des entgangenen Einkommenswachstums besonders wichtig ist.

00:10:36: Das heißt, wir haben hier den indirekten Effekt des Verlustes im Wachstum nochmal besonders prominent.

00:10:46: Also dadurch dass sie raus sind entwickelt sich die Karriere einfach nicht weiter?

00:10:50: Genau das kann man sich dann beispielsweise darunter vorstellen... Man verpasst zum Beispiel eine Beförderung oder es entgeht einem die Möglichkeit zu einem anderen und üblicherweise besser bezahlenden Arbeitgeber zu wechseln.

00:11:08: Wenn ich relativ früh in meiner Karriere mein erstes Kind bekomme, entgehen mir diese Möglichkeiten dass es dann Einkommenswachstum das nicht generiert wird und das hat ein entsprechend langfristige negative Effekte

00:11:23: Das ist vorhin schon angesprochen, dass Deutschland bzw.

00:11:25: die deutschsprachigen Länder im europäischen Vergleich besonders hohe Einbußen verzeichnen.

00:11:31: Ich würde gerne einmal einen Blick über diesen deutschen Tellerrand hinauswerfen.

00:11:35: Wie bewegt sich denn Deutschland im internationalen Vergleich?

00:11:37: Und kannst du das einordnen, woher kommt denn das?

00:11:40: Deutschland und deutschprachige Länder werden typischerweise als Beispiel für besonders hohen Einkommensverluste nach der ersten Geburt angeführt.

00:11:50: Demgegenüber würden zum Beispiel skandinavische Länder stehen.

00:11:55: Eine übliche Erklärung dafür ist, dass wir Unterschiede in den Geschlechterrollen beobachten, also das skandinawische Länder tendenziell egalitäre Geschlechterrollen haben.

00:12:08: Gleichzeitig – das ist natürlich nur eine Korrelation, keine Kausalität notwendigerweise und wenn jetzt nicht unbedingt so weit weg, wie Skandinavien gehen wollen.

00:12:21: Nicht weit weg über der Grenze.

00:12:22: in Frankreich ist es beispielsweise deutlich verbreiteter auch sehr junge Kinder schon im Kinderbetreuung zu geben?

00:12:31: Ja auf die Kinder betreuen kommen wir auf jeden Fall noch zu sprechen.

00:12:34: ich würde gerne noch einen anderen Aspekt ansprechen.

00:12:37: In der Studie habt ihr Schwächen an einer bisherigen Methodik angesprochen.

00:12:41: Kannst du vielleicht kurz erklären warum dieser methodische Unterschied dann auch in der Schätzung so einen Unterschied macht.

00:12:48: Also wie gesagt, ihr habt Zehntausend Euro höhere Einkommensverluste?

00:12:52: Dafür gehe ich einen kleinen Schritt zurück und beginne damit dass wir erstmal fragen was ist das übliche Ziel empirischer Analysen die die Ökonomien vorlegen.

00:13:06: Wir werden ganz grundsätzlich aber hoffentlich lernen wir etwas dabei.

00:13:10: im Idealfall ermöglicht es uns eine empirische Analyse einen kausalen Effekt zu zeigen.

00:13:17: Das heißt, ein Effekt eines Ereignisses in diesem Fall jetzt der ersten Geburt auf eine Zielgröße.

00:13:25: In unserem Fall das Einkommen.

00:13:28: Kausal heißt außerdem Der Effekt sollte nicht verzerrt sein durch andere Einflüsse

00:13:34: also wirklich auch begründet.

00:13:36: dass ist der Grund für diese Entwicklung.

00:13:39: genau Beispielsweise, wenn wir einfach nur Einkommen vor der Geburt mit Einkommen nach der Geburten vergleichen würden.

00:13:49: Wäre das kein valider Vergleich?

00:13:51: Weil wir wissen nicht wie sich das Einkommen ohne die Geburt entwickelt hätte.

00:13:59: Diese Frage was wäre passiert, wenn?

00:14:01: wird bei uns üblicherweise bezeichnet als eine kontrafaktische Situation.

00:14:07: Nächster Fachbegriff!

00:14:08: Das ist der Fachbegriff und das Ziel empirischer Untersuchung ist, diese kontrafaktische Situation möglichst plausibel abzubilden.

00:14:19: Okay

00:14:20: also ihr versucht euch quasi eine Krücke zu bauen wie ihr auch wenn man die Zeit nicht zurückdrehen kann trotzdem nachvollziehen kann was wäre passiert werden?

00:14:28: Genau um das zu tun wäre der Idealfall wenn man ein Experiment macht beispielsweise wie bei Medikamentenstudien in der Medizin wo wir eine Gruppe haben, die kriegt das echte Medikament.

00:14:41: Eine andere Gruppe, die bekommt nur ein Placebo.

00:14:43: Die beiden Gruppen wissen nicht wer was kriegt?

00:14:48: Das ist eine Idealbedingung.

00:14:51: Allerdings Ökonomen sind Sozialwissenschaftler und wir müssen Menschen im echten Leben betrachten.

00:14:59: Was wir in den Sozialwissenschaften versuchen ... schauen uns die Gegebenheiten an, die uns die Realität eben präsentiert.

00:15:08: Also ihr habt Daten von Frauen in verschiedenen Altersgruppen und von denen werden einige schwanger oder andere nicht?

00:15:14: Genau!

00:15:14: Wir haben Arbeitsmarktdaten von Frauen, einige kriegen ein Kind, andere kriegen kein Kind und die, die im Kind kriegen, kriegen ein kind in verschiedenem Alter.

00:15:25: Daraus müssen wir jetzt versuchen einen sogenannten Quasi-Experiment zu konstruieren.

00:15:31: Wir haben auf der einen Seite dafür eine sogenannte Treatment-Gruppe.

00:15:37: Das sind die Frauen, die ein Kind in einem bestimmten Alter kriegen?

00:15:40: Ja!

00:15:42: Auf der anderen Seite brauchen wir eine Kontrollgruppe um diesen wichtigen kontrafaktischen Zustand für den Fall das es keine Geburt gegeben hätte abzubilden.

00:15:54: Okay also das sind quasi die beiden.

00:15:56: was wäre wenn bis Szenarien schwanger oder...

00:15:59: Genau Schwanger beobachten wir?

00:16:02: Was wäre wenn ist nicht so einfach.

00:16:06: An der Stelle kommt die bislang konventionelle Methode ins Spiel, diese konventionele Methode hat nicht berücksichtigt dass das Alter bei der ersten Geburt ein wichtiger Aspekt ist.

00:16:21: wichtig dahingehend dass die Effekte der Geburt unterschiedlich entlang des Alters sind außerdem dass gleichzeitig eine Dimension für das Timing der ersten Geburt ist.

00:16:34: Wenn diese beiden Aspekte zusammenkommen, hat die Literatur ... Die statistische Literatur der vergangenen Jahre gezeigt kann das zu sehr signifikanten Verzerrungen führen.

00:16:48: Konkret

00:16:48: heißt es in dieser Kontrollgruppe befanden sich trotzdem auch Mütter drin, deren Kinder aber schon länger im Kindergarten oder so sind und wieder im Beruf sind?

00:16:56: Genau!

00:16:57: Es konnte unbeabsichtigt passieren, dass in der Kontrollgruppe auch Frauen auftauchen die bereits die erste Geburt hinter sich hatten.

00:17:09: Die also schon die Effekte dieser Geburt erleben und die deshalb nicht mehr geeignet sind den Zustand abzubilden.

00:17:19: was wäre gewesen wenn es keine Geburt gegeben hätte?

00:17:24: Und das ist jetzt der Punkt an dem sich eure Methodik unterscheidet?

00:17:27: Genau!

00:17:27: An diesem Punkt setzen wir an.

00:17:30: Wir korrigieren einerseits den technischen Aspekt, wer taucht in dieser Kontrollgruppe auf.

00:17:38: Wir selektieren außerdem sehr explizit Wer soll in diese Kontrollkruppe rein?

00:17:44: Was wir deshalb tun ist... Wir unterteilen im ersten Schritt nach dem Alter bei der ersten Geburt und dann selektierten wir alter spezifische Kontroll Gruppen.

00:17:56: Also das heißt die sucht quasi gleich alte Frauen ohne Kind um sie mit Müttern vergleichen zu können, je nachdem in welchem Alter Sie das erste Kind bekommen haben.

00:18:04: Genau, genau!

00:18:05: Also, um ein Beispiel zu geben für Frauen die im Alter fünfundzwanzig ihr erstes Kind kriegen, haben wir in der Kontrollgruppe Frauen, die zwar in der Zukunft ein Kind kriegen werden also beispielsweise mit sechsundzwanzi, siebenundzwansich, achtundzwannzig aber nur so lange sie das Kind noch nicht bekommen haben.

00:18:28: Dann sind sie nicht mehr Teil der Kontrollgruppe.

00:18:31: und dann für die Schätzung des Effekts, für die Mütter mit twenty-fünfjährigen, nicht mehr berücksichtigt.

00:18:37: Das erlaubt uns einerseits zu adressieren, die die Selektion in den Umstand bekommt eine Frau ein Kind oder nicht.

00:18:47: Außerdem wir nutzen in der Kontrollegruppe nur Mütte, die in einem möglichst nahen Alter ihr erstes Kind kriegen.

00:18:56: Also wir würden eine, eine... ...dreiundzwanzigjährige Mutter nicht mit einer Frau vergleichen die mit... ...fünfunddreißig ihr erstes Kind kriegt.

00:19:06: Weil wie schon erwähnt...

00:19:08: Ja!

00:19:08: Die Karriere ne ganz andere ist?

00:19:10: Die

00:19:10: Karrière is ne andere, die Charakteristiker dieser Frauen sind anders.

00:19:14: Dadurch dass wir also auf nahe Alter bei der ersten Geburt konditionieren bringen wir die Mütter zusammen, die am besten vergleichbar sind.

00:19:23: Ihr habt dafür einen sehr großen Datensatz.

00:19:27: Wir haben ungefähr hundertsechsund achtzigtausend Frauen in dem Datensatz.

00:19:36: Die Daten sind gewonnen aus einer zwei Prozent Stichprobe aller sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten in Deutschland.

00:19:45: Ich versuche es nochmal ganz kurz zu rekapitulieren, was wir jetzt bisher herausgefunden haben.

00:19:49: also die Einkommenslücke ist noch größer als bisher sowieso bekannt gewesen ist.

00:19:54: Je älter die Frauen sind, wenn sie das erste Kind bekommen, desto höher ist der Einkommenseinbruch in absoluten Zahlen.

00:20:01: Aber diese Mütter können dann eher an ihre vorige Karriere wieder anschließen und auch an das Einkommen was sie damals hatten.

00:20:08: Und dagegen haben jüngere Müttern zwar geringere absolute Einkommeneinbrüche aber langfristig größere Probleme nach der Geburt ihre Karrieren fortzusetzen.

00:20:17: Du hast auch schon angesprochen dass es im Ausland andere weniger starke Effekte gibt.

00:20:22: Was könnte man dann auf der politischen Ebene tun, um diesem hohen Effekt den wir in Deutschsprachigen Raum sehen entgegenzuwirken?

00:20:29: Genau die anderen Effekte im Ausland begründen sich ja zum Teil aus anderen Geschlechterrollen.

00:20:39: Das wäre dann ein Auftrag an die gesamte Gesellschaft nicht nur an die Politik.

00:20:47: Da es aber natürlich einfacher ist, Aufträge an die Politik zu formulieren Können wir darauf blicken, wer verbringt wie viel Zeit mit Kinderbetreuung?

00:20:58: Was ja auch wiederum eine einigermaßen direkte Folge aus Geschlechterrollen sein kann.

00:21:04: Ja also in Deutschland sind ja überproportional Frauen an der Kehrarbeit für Kinder beteiligt.

00:21:08: Genau Frauen wenden mehr Zeit darauf Kinder direkt zu betreuen und gleichzeitig ist es aber auch der Fall wenn Mütter häufiger in Vollzeit arbeiten würden, hätte das positive Effekt einerseits auf der individuellen Ebene andererseits auf einer gesellschaftlichen Ebene.

00:21:31: Okay

00:21:31: was ist die individuelle Ebene?

00:21:33: Die individuelle Ebene wäre einerseits ganz platt mehr Einkommen für die jeweilige Frau.

00:21:41: Das heißt dann weiterhin mehr eigene wirtschaftliche Unabhängigkeit.

00:21:46: Das heisst auch eher die Möglichkeit, die Effekte einer Scheidung aufzufangen.

00:21:54: In der langen Frist heißt es mehr gesammelten Rentenpunkte und dann ein höheres Renteneinkommen.

00:22:01: Auf der gesellschaftlichen Ebene dagegen hätten wir einerseits durch mehr geleistete Arbeit natürlich höhere Steuereinnahmen, höhere Beiträge zu den Sozialversicherungen gleichzeitig für Unternehmen Ein höheres Angebot an Fachkräften.

00:22:20: Deshalb wäre es ein naheliegender Punkt, über Kinderbetreuung nachzudenken und ein besseres Angebot am Kinderbetreuerung.

00:22:31: in dem Zusammenhang wird von der Politik natürlich schon viel getan.

00:22:36: bereits Mitte der neunzigere wurde der Ausbau vom Kindergärten begonnen dann anschließend kamen Betreuungsplätze für jüngere Kinder hinzu ebenso aber auch Betreuungsplätze für Grundschulkind.

00:22:51: Also die alte Spanne, wann Kinder betreut werden können wurde ausgeweitet?

00:22:56: Die wurde ausgeweihtet und das absolute Angebot an Betreuungsplätzen ist in den vergangenen Jahren in Deutschland auch sehr stark gewachsen.

00:23:05: Okay,

00:23:05: aber so wie es jetzt ist scheint's ja noch nicht der optimal Fall zu sein.

00:23:08: Es

00:23:08: ist natürlich nicht der Optimalfall wenn wir über weitere Schritte nachdenken wollen.

00:23:15: Es geht nicht nur um die Verfügbarkeit von Kinderbetreuung.

00:23:19: Es geht zudem um längere, aber auch gleichzeitig um hinreichend zuverlässige Öffnungszeiten.

00:23:26: Außerdem um gute Betreuungsqualität und eine entsprechend gute Erreichbarkeit der Kinderbetreuerungseinrichtungen.

00:23:36: Nicht erst quer durch die ganze Stadt fahren müssen, um das Kind abzugeben und dann wieder zurück zum Job zu fahren?

00:23:41: Genau!

00:23:43: gegeben, dass das Angebot an Kinderbetreuung hinreichend gut ausgebaut ist.

00:23:48: Kann das dann Frauen einerseits helfen nach der Geburt leichter eine Karriere wieder aufzunehmen?

00:23:56: Andererseits dadurch, dass Frauen antizipieren können, dass sie leichter wieder in den Job zurückkehren können sinken ihre erwarteten Kosten davon ein Kind zu haben.

00:24:09: und das kann es dann wiederum leichter machen für Frauen andere Entscheidungen zu treffen, schon bevor sie ein Kind bekommen.

00:24:18: Beispielsweise andere Bildungsentscheidungen zu treffen und mehr in Bildung und in anspruchsvollere Karrieren schon in einer frühen Phase zu investieren?

00:24:30: Also das heißt einfach das Bewusstsein zu haben natürlich kann ich Karriere machen und ein Kind bekomme vorausgegeben oder voraussgesetzt dass eben die Infrastruktur dafür da ist also eine Kinderbetreuung gewährleistet werden kann

00:24:43: Genau, genau.

00:24:43: Wenn er das Bewusstsein da ist, dass ein Kind keinen zwingenden Einkommensverlust verursachen muss weil eben die Gesellschaft entsprechende Vorsorge trifft Mütter zu unterstützen dann kann das Frauen dabei helfen andere Entscheidungen zu treffen.

00:25:03: Okay also quasi auch so ein bisschen den Bewusstseinsänderung.

00:25:07: Lukas wir kommen langsam zum Ende.

00:25:10: Wir wissen ja dass jede Studie nicht nur Fragen beantwortet, sondern im Zweifelsfall noch mehr Fragen aufwirft.

00:25:17: Daher jetzt meine letzte Frage an dich!

00:25:19: Welche Fragen sollte denn die Forschung aus deiner Sicht als nächstes stellen um das Thema weiter voranzubringen?

00:25:26: Mehr Fragen ist gar nicht der Zweifelfall, es ist eigentlich der Idealfall weil Wissenschaft muss sich ja kontinuierlich weiterentwickeln.

00:25:34: Wir haben mit Einkommensverlust nach der ersten Geburt ein Forschungsfeld.

00:25:39: da liegt schon sehr viel Arbeit vor.

00:25:42: Das heißt, wir erfinden in der Zukunft kaum das Rad neu.

00:25:47: Wir untersuchen eher die einzelnen Speichen dieses Rades genauer.

00:25:52: Das kann dann zum Beispiel bedeuten dass wir die methodischen Erweiterungen die Valentina Melentjeva und ich vorgelegt haben anwenden um mehr Heterogenität zu zeigen.

00:26:07: Das heisst unterschiedliche Effekte beispielsweise nach Berufsgruppen oder über die Zeit, oder nach Berufskruppen und über diezeit.

00:26:17: Oder nach unterschiedlichen Ländern?

00:26:20: Wir könnten uns außerdem anschauen wie bestimmte Politikmaßnahmen wirken und dabei dann wiederum unterscheiden welche Politikmaßen haben eher eine Wirkung auf jüngere Mütter, die er am Anfang ihrer Karriere ihr erstes Kind bekommen Und welche Politikmaßnahmen haben eher eine Wirkung für Frauen, die in ihrer Karriere bereits etablierter sind wenn sie ihr erstes Kind bekommen?

00:26:50: Das kann dann im Idealfall dabei helfen dass wir in Zukunft Politikmaßen effizienter und zielgenauer gestalten können.

00:26:59: Das heißt Ihr habt sehr viele Optionen jetzt noch weiter zu machen.

00:27:01: das Thema ist noch lange nicht fertig!

00:27:03: Das Thema wird nie fertig sein und das ist wahrscheinlich bei jedem Forschungsthema so.

00:27:08: Das ist einer der sehr schönen Aspekte von

00:27:33: Forschung.

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