Ist Deutschland so innovativ wie nie zuvor?

Shownotes

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00:00:08: Intro ZEW Wirklich Wirtschaft Background. Ein Podcast des Leibniz Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim.

00:00:23: Pascal Ausäderer Deutschland investiert so viel Geld in Innovation wie noch nie. Und doch verlieren viele Unternehmen im internationalen Wettbewerb an Boden. Wie passt das zusammen? Die neue Innovationserhebung des ZEW Mannheim zeigt, wie sich die Innovationsausgaben deutscher Unternehmen entwickelt haben. In welchen Branchen besonders kräftig in Innovation investiert wird und warum trotz Rekordniveau beim Budget die Innovationsdynamik nicht ausreichend ist. Was sagt das über die Zukunftsfähigkeit des Wirtschaftsstandort Deutschland aus?

00:00:51: Pascal Ausäderer Wo hakt es im Innovationssystem? Und welche Weichen müssen jetzt gestellt werden, damit sich die hohen Ausgaben auch in spürbaren Fortschritten niederschlagen? Mein Name ist Pascal Ausäderer. Und heute spreche ich genau zu diesen Themen mit dem ZEW-Ökonom Dr. Christian Rammer. Hallo Christian, herzlich willkommen bei mir im Podcast. Schön, dass du da bist.

00:01:11: Christian Rammer Hallo, vielen Dank, dass ich da sein darf.

00:01:13: Pascal Ausäderer Die aktuelle Innovationserhebung meldet deutsche Innovationsausgaben so hoch wie nie. Was genau habt ihr da gemessen und was ist die zentrale Botschaft der Innovationserhebung in diesem Jahr?

00:01:24: Christian Rammer Wir führen im ZEW schon seit 33 Jahren eine Innovationserhebung durch. Das ist die offizielle Statistik zum Innovationsgeschehen in der deutschen Wirtschaft. Und das ist eine statistische Erhebung, die Teil des der europäischen Unternehmen Statistik ist.

00:01:40: Christian Rammer Das heißt, da kommen dieselben Qualitätsstandards zum Einsatz wie für alle anderen Unternehmen. Statistiken, die üblicherweise vom Statistischen Bundesamt oder Landesämtern durchgeführt werden. Und unsere Erhebung hat eben zum Ziel, das Thema Innovation zu erfassen. Das ist eine Herausforderung aus mehreren Gründen. Denn Innovation ist ja immer etwas Neues, das heißt etwas anderes. Und etwas, was sich ständig verändert. Zuverlässig und über die Zeit vergleichbar zu messen, ist alles andere als einfach.

00:02:10: Christian Rammer Denn man muss ja zum einen mitgehen mit der Innovation, mitgehen mit den Veränderungen, die Unternehmen durchführen und wie sie auch selbst verändern, aber gleichzeitig eben auch Indikatoren haben, die es erlauben, über die Zeit zu beobachten, wie es beim Thema Innovation aussieht. Und diesen Spagat versuchen wir eben im ZEW jetzt seit 33 Jahren zu machen. Und ich denke, wir sind damit recht erfolgreich, denn die Zahlen werden viel verwendet von der Politik, auch von den Unternehmen und auch in der Wissenschaft.

00:02:42: Christian Rammer Und die Innovationserhebung ist eine Befragung bei Unternehmen. Die Stichprobe ist über 40.000 Unternehmen, etwa 1/3 antwortet jedes Jahr und wir wenden dann die üblichen Verfahren an, um zuverlässige Indikatoren zu erfassen.

00:02:57: Pascal Ausäderer Einer dieser zentralen Indikatoren sind die Innovationsausgaben. Kannst du mir genau erklären, was unter dem Begriff Innovationsausgaben erfasst wird?

00:03:07: Christian Rammer Ja, er ist breit. Das Ziel dieses Indikators, der ein ganz zentraler ist, ist alle finanziellen Aufwendungen, alles, was Unternehmen, geldmäßig in die Hand nehmen, um mit Innovationen voranzukommen, wird da erfasst.

00:03:21: Christian Rammer Da ist Forschung und Entwicklung ein wichtiger Teil. Etwa 60 Prozent der gesamten Innovationsausgaben fallen entfallen auf Forschung und Entwicklung. Aber es kommt noch einiges mehr hinzu. Das ist die Anschaffung zum Beispiel von neuen Maschinen, Anlagen, Software oder Digitalisierungselementen. Das ist aber auch Marketing, die Weiterbildung von Mitarbeitern, immer solang es um Innovationen geht. Und Innovation ist wiederum definiert als neue oder verbesserte Produkte oder neue oder verbesserte Prozesse, Geschäftsprozesse, Modelle, Geschäftsmodelle usw. Wir haben einen sehr breiten Begriff von Innovation.

00:03:59: Pascal Ausäderer Du hast am Anfang schon gesagt, ein bisschen was zum Hintergrund, wie ihr die Innovationserhebungen erhebt. Kannst du mir dazu zu der Durchführung noch ein bisschen was erzählen? Welche Unternehmen befragt ihr? Wie repräsentativ sind die Ergebnisse für die deutsche Wirtschaft?

00:04:17: Christian Rammer Wir befragen die Industrie und einen großen Teil der Dienstleistungen, allerdings nicht alle Dienstleistungsbranchen, da wir gesehen haben, dass in bestimmten Bereichen einfach das Thema Innovation nicht so zentral ist, etwa im Einzelhandel.

00:04:33: Christian Rammer Für die meisten Unternehmen werden Standardangebote gemacht oder auch in bestimmten Bereichen persönlicher Dienstleistungen, so dass wir also hier nicht die gesamte Wirtschaft abbilden und aus Kostengründen gehen wir auch nicht zu den ganz kleinen Unternehmen runter, sondern beginnen bei Unternehmen mit fünf Beschäftigten. Und dann ziehen wir eine Zufallsstichprobe. Die Geschichte, die sich nach Branchengrößen und Regionen und das ist, quasi die Grundlage für die Repräsentativität und dann ich habe schon eingangs gesagt, etwa 1/3 der Unternehmen nimmt jedes Jahr teil an der Erhebung und um zu kontrollieren, ob die, die nicht teilnehmen, sich grundsätzlich unterscheiden, führen wir noch recht aufwändige sogenannte Nicht Teilnehmererhebung durch.

00:05:18: Christian Rammer Das heißt, wir kontaktieren die nicht teilnehmenden Unternehmen noch mal per Telefon und fragen die zu ganz wenigen Kennzahlen, sodass wir dann in der Lage sind, statistisch zu prüfen und gegebenenfalls zu kontrollieren, falls so eine Verzerrung besteht, die im Übrigen aber sehr, sehr gering ist. Die Antworten sind sehr repräsentativ für die deutsche Wirtschaft.

00:05:46: Pascal Ausäderer Die Unternehmen in Deutschland haben laut Erhebung im Jahr 2024 rund 213,3 Milliarden Euro für Innovation ausgegeben. Das ist ein neuer Rekordwert. Was sind die wichtigsten Treiber dieses Anstiegs aus deiner Perspektive?

00:05:52: Christian Rammer Ein Treiber ist schlicht und einfach die Inflation. Das heißt, ein großer Teil des Anstiegs ist darauf zurückzuführen, dass es teurer geworden ist, was immer zu machen, auch Innovationsprojekte voranzutreiben. Der Hauptkostenfaktor bei Innovation ist der Mensch, der gleichzeitig auch der Hauptproduktivitätsfaktor von Innovation ist.

00:06:13: Christian Rammer Man braucht die Kreativität der Menschen und das Zusammenarbeiten der Menschen, um Neues hervorzubringen. Aber da haben wir einen Kostenanstieg anderer Treiber ist sicher das Thema Digitalisierung in der Breite und KI im Besonderen. Wir haben aber natürlich auch die Herausforderungen, die die deutsche Wirtschaft jetzt schon seit fünf, sechs Jahren ja massiv hat. Die sind auch ein Treiber für Innovation.

00:06:37: Christian Rammer Wenn eben jetzt bestimmte Absatzmärkte nicht mehr zugänglich sind. Aufgrund von Zöllen müssen sich die Unternehmen was Neues überlegen und daher auch innovieren. Wenn Energiepreise enorm steigen und hoch bleiben, müssen Prozesse umgestellt werden, damit eben dieser Kostenfaktor sich reduziert. Und das sind auch eben Anstöße für Innovation. Das heißt, wir haben schon von vielen Seiten her den Druck und wenn man es positiv formuliert, eben einen Impuls für Innovationen.

00:07:07: Pascal Ausäderer Welche Branchen stechen dann besonders hervor? Gibt es Sektoren, die deutlich innovativer sind? Du hast eben schon KI als ein Beispiel genannt. Gibt es noch weitere Branchen, die überdurchschnittlich stark investieren und bei denen auch die Innovationsergebnisse, also der Output, auch wirklich dann gesteigert sind?

00:07:25: Christian Rammer Ja, wir haben große Unterschiede in der Innovationstätigkeit zwischen Branchen. Wir haben da verschiedene Maße. Eines ist eben die sogenannte Innovationsintensität.

00:07:35: Christian Rammer Da setzen wir die Innovationsausgaben in Relation zum Umsatz der Branchen. Und da liegt traditionell der Fahrzeugbau, also namentlich der Automobilbau, ganz vorne. Die Unternehmen investieren immer schon sehr, sehr viel in Innovation, haben immer schon sehr viele Innovationsthemen da verfolgt auch und das ist gleichzeitig die Branche, die auch am erfolgreichsten ist. Wenn man jetzt es misst an den Umsätzen, die mit neuen Produkten erzielt werden, oder auch die Kostensenkungen, die durch verbesserte Verfahren erzielt werden können.

00:08:08: Christian Rammer Es gibt auch andere Industriebranchen, die da sehr stark sind, die Elektroindustrie, der Maschinenbau, auch Chemie und Pharma. Und was wir aber schon seit jetzt zehn, 15 Jahren sehen, ist eine allmähliche Verschiebung auch hin zu Dienstleistungsbranchen, bei denen das Thema Digitalisierung eine große Rolle spielt. Da sind die IT-Dienstleistungen selbst, also Software, Online-Dienste, Plattformen usw., aber auch Medien, aber auch Wirtschaftsberatung und auch den ganzen Bereich der technischen Dienstleistungen, also wo es darum geht, bestimmte Abläufe in Unternehmen mithilfe von technischen Instrumenten, technischen Tools einfach besser zu gestalten. Und da sehen wir einfach eine Dynamik, die die sehr hoch ist und die auch in der aktuellen Situation hoch geblieben ist.

00:08:48: Pascal Ausäderer Also auch gerade so die Bereiche Digitalisierung, Technik, KI spielen eine wichtige Rolle. Wie schneidet hier da die deutsche Wirtschaft insgesamt bei den Innovationsausgaben ab? Und hast du da auch einen Vergleich mit anderen Ländern, zum Beispiel?

00:09:16: Christian Rammer Ja, die Innovationserhebung, so wie wir sie im ZEW durchführen, wird auch in allen anderen europäischen Ländern durchgeführt. Da ist gibt es in EU-Recht, das vorschreibt, dass das überall so gemacht wird, so dass Vergleichszahlen vorliegen. Hier steht Deutschland insgesamt gut da, was jetzt die Bereitschaft und die Fähigkeit der Unternehmen betrifft, in Innovationen zu investieren. Es gibt ein paar Länder, die immer voran liegen. Die skandinavischen Länder sind traditionell besonders stark auf Innovation orientiert, auch die Schweiz und zunehmend auch die Niederlande.

00:09:43: Christian Rammer Belgien ist auch recht stark, aber insgesamt ist die deutsche Wirtschaft mit an der Spitze, was kein Wunder ist, denn Innovation ist letztlich die Grundlage für die Wettbewerbsfähigkeit der exportorientierten Unternehmen. Denn Kostenvorteile gibt es keine am Standort Deutschland. Das heißt, der Vorteil auf Auslandsmärkten muss immer in einer überlegenen Technik oder in einer Spezifikation von Produkten, die eben genau die Nachfrage Bedürfnisse adressieren, liegen.

00:10:13: Christian Rammer Und das heißt immer wieder zu innovieren, immer wieder neue Lösungen zu finden. Allerdings steht damit Deutschland nicht allein da. Das war vielleicht vor 20, 30 Jahren noch anders als nicht so viele andere Länder quasi einen innovationsbasierten Pfad verfolgt haben. Der Innovationswettbewerb ist eher härter geworden und das vielleicht auch noch ein Faktor, den man bei den steigenden Innovationsausgaben eben in Betracht ziehen muss.

00:10:40: Christian Rammer Es versuchen immer mehr Unternehmen und auch immer mehr Volkswirtschaften, über Innovation wettbewerbsfähig zu bleiben. Das heißt, man muss sich auch immer mehr anstrengen, um noch einen Vorteil in diesem intensiveren, breiteren Wettbewerb zu finden.

00:11:03: Pascal Ausäderer Da schließt meine nächste Frage genau dran an, weil du hast vorhin gesagt, dass das Rekordniveau bei den Innovationsausgaben vor allem durch Inflation zu erklären sei. Wenn jetzt Deutschland aber auch bei KI und Digitalisierung gar nicht so schlecht abschneidet im Vergleich mit anderen Ländern, warum ist der Effekt dann nicht stärker bei den Innovationsausgaben? Warum führt der Output dann noch nicht so stark dazu, dass man sagen kann: Hey, KI treibt jetzt wirklich die Innovation voran?

00:11:24: Christian Rammer Ja, also KI ist ein ganz wesentlicher Treiber, das ist richtig. Wir haben in der aktuellen Innovationserhebung auch erfasst, wie viele Unternehmen KI einsetzen und auch selbst vorangetrieben haben. Und das sehen wir in eine ganz steile Diffusionskurve. Also wir hatten vor ein paar Jahren waren es etwa 10 Prozent, jetzt sind wir bei 25 Prozent in nur zwei drei Jahren. Da spielt auch das Thema generative KI und diese neuen Möglichkeiten natürlich eine große Rolle.

00:11:47: Christian Rammer Gleichzeitig ist KI noch viel im Experimentierstadium, das heißt, es wird oft noch nicht in der Breite ausgerollt, sondern es wird an einzelnen Cases mal ausprobiert. Funktioniert das? Ist es da noch überlegen den anderen Technologien, die ja zur Verfügung stehen? Und KI ist ja kein Wunderwerk. Es ist letztlich eine Softwaretechnik, mit der man bestimmte Prozesse effizienter machen kann, zu besseren Ergebnissen kommt.

00:12:12: Christian Rammer Aber es gibt auch Alternativen dazu. Das heißt, ich denke, da wird es noch eine Dynamik in den nächsten Jahren weiterhin geben. Und, wenn ich vorher viel quasi über die Treiber von Innovationen, Innovationsausgaben gesprochen hat, muss man natürlich auch die Dämpfer erwähnen und die bieten sich jetzt hier an anzuführen. Und der größte Dämpfer ist einfach die wirtschaftlich schwierige Lage, die wir haben.

00:12:35: Christian Rammer Denn Innovation ist anders als bei anderen Investitionen eine Tätigkeit, die von drei Arten von Unsicherheit geprägt ist. Das erste bei Innovation wäre: Ich muss ich immer versuchen, etwas neu zu machen. Das heißt, ich habe die Unsicherheit. Gelingt das Neue technisch? Ist es technisch realisierbar? Ist es auch realisierbar zu vernünftigen Kosten? Das Zweite ist das Neue soll ja irgendwer kaufen.

00:13:00: Christian Rammer Das heißt, ich habe die Unsicherheit, treffe ich auch die Nachfrage richtig? Wollen die Kunden überhaupt dieses Neue oder bin nur ich so begeistert davon, aber die Anwender finden das überhaupt nicht so spannend? Und die dritte Unsicherheit ist: Was macht der Wettbewerb denn? Wie ich gesagt habe, es sind viele Unternehmen, die im Innovationswettbewerb aktiv sind. Und wenn die anderen schneller sind oder eine bessere Lösung haben, dann habe ich hohe Aufwendungen und keinen Ertrag.

00:13:26: Christian Rammer Und diese dreifachen Risiken, die tun halt besonders weh, wenn die wirtschaftliche Situation schwierig und unsicher ist. Und das haben wir leider seit fünf, sechs Jahren, jetzt seit der Corona-Pandemie in Deutschland und auch anderswo.

00:13:40: Pascal Ausäderer Das heißt, die wirtschaftliche Stagnation Deutschlands ist eigentlich auch gleichzeitig somit die die größte Schwäche für das deutsche Innovationssystem am Ende des Tages?

00:13:48: Christian Rammer Die ist aktuell die größte Schwäche, wobei es quasi so eine Art Henne Ei Problem ist. Innovation ist gleichzeitig auch der Schlüssel, um wieder rauszukommen, um zu Wachstum zu kommen, um neue Aufträge zu bekommen, um dann eben wieder zu investieren, neue Arbeitsplätze zu schaffen, damit die Nachfrage auch im Inland zu stärken. Das heißt, hier habe ich diese Problematik und ja, ich bin aber zuversichtlich, dass wir da jetzt ja bald wieder rauskommen aus dieser Situation.

00:14:20: Pascal Ausäderer Die Innovationserhebung enthält auch Erwartungen der Unternehmen für die kommenden Jahre. Rechnen die Firmen damit, ihre Innovationsausgaben weiter zu steigern oder doch eher zu senken? Oder wollen sie sie gleich behalten? Hast du da eine Tendenz insgesamt?

00:14:33: Christian Rammer Also die Tendenz ist eine Nulllinie. Aber das liegt in erster Linie daran, dass eben die Unsicherheit zu hoch ist. Und wenn ich einfach nicht weiß, wie geht es im nächsten übernächsten Jahr weiter und wir sehen zurzeit ja wieder täglich neue Ankündigungen von der US-Regierung, was Zölle betrifft.

00:14:51: Christian Rammer Da ist für jedes Unternehmen, das auch im US-amerikanischen Markt tätig ist, eigentlich eine Planung unmöglich, weil ich keine Kostengrundlage, keine Kalkulationsgrundlage habe. Und unter diesen Bedingungen ist es naheliegend, dass ich sage, also ich halt jetzt mal die Ausgaben auf dem Niveau, wie ich sie zurzeit habe, und wir sehen das jetzt schon seit mehreren Jahren, dass die Unternehmen immer sehr konservativ planen, aber am Ende dann doch mehr ausgegeben haben. Das heißt die Fähigkeit ist schon da zu investieren. Aber die Rahmenbedingungen sind sehr ungünstig.

00:15:16: Pascal Ausäderer Dann zum Abschluss hätte ich folgende Frage an dich: Was wären aus deiner Sicht die drei wichtigsten Stellschrauben, an denen Politik und Wirtschaft drehen müssten, damit aus hohen Innovationsausgaben auch messbare Produktivitätsfortschritte entstehen?

00:15:47: Christian Rammer Also das erste ist, was wir jetzt gerade angesprochen haben: Wir brauchen günstige wirtschaftliche Rahmenbedingungen, und da ist schon die Wirtschaftspolitik in der Pflicht. Und die Bundesregierung hat ja auch mit dem Investitionsprogramm da direkt die richtige Weiche gestellt. Aber es kommt einfach zu langsam bei den Unternehmen an, wir brauchen einen starken Nachfrageimpuls. Der muss nicht notwendigerweise nach innovativen Produkten sein, aber einfach, dass wieder in eine Wachstumsperspektive da ist. Damit eine Idee da ist: Ja die die Märkte wachsen wieder. Das zweite ist dann, sobald wir ins Wachstum gehen, haben wir ein ganz großes Problem in Deutschland.

00:16:12: Christian Rammer Das ist der Fachkräftemangel. Den nehmen wir im Moment nicht so stark wahr, weil eben die Unternehmen eher entlassen als jetzt nach neuen Fachkräften zu suchen. Aber sobald wir im Wachstum sind, werden wir feststellen, dass die demografische Situation sehr ungünstig ist. Das heißt, da müsste sofort dann ein Programm aufgelegt werden, um das Arbeitskräfteangebot, und da geht es nicht nur um Fachkräfte, da geht es um jede Qualifikation, zu erhöhen. Und das dritte Thema ist ein ganz, ganz Schwieriges, da habe ich auch keine Lösung.

00:16:43: Christian Rammer Aber das ist das Thema Bürokratie. Wir machen es uns selbst an so vielen Stellen einfach schwer, indem wir Regeln aufstellen, die wir dann mit großem Aufwand versuchen einzuhalten, deren Sinnhaftigkeit an manchen Stellen immer gegeben ist. Aber wo man vielleicht stärker ein Prinzip bräuchte der Flexibilität der Anwendung. Denn das tut gerade bei Innovation immer weh. Innovation geht immer einen neuen Weg.

00:17:13: Christian Rammer Wir haben immer die Vorstellung, quasi einen Weg schon vorzuzeichnen und zu sagen, links und rechts zu gehen ist verboten, weil das ist dann nicht mehr regelkonform. Und da bräuchten wir einfach viel mehr Flexibilität. Und wenn man alle drei Dinge zusammen kriegt, ich glaube dann ist man auf einem guten Weg.

00:17:30: Pascal Ausäderer Vielen lieben Dank Christian, für deine Zeit.

00:17:32: Christian Rammer Ja, vielen Dank für die Einladung. Ich hoffe, die Informationen über unsere Innovationserhebung und die Ergebnisse waren für dich interessant und vor allem auch für unsere Zuhörerinnen und Zuhörer. Und wir bleiben auf jeden Fall bei dem Thema am Ball, denn im nächsten Jahr steht schon wieder die nächste Erhebung an.

00:17:48: Pascal Ausäderer Und auch vielen Dank an euch fürs Zuhören. Das war der ZEW-Podcast zur Innovationserhebung mit Dr. Christian Rammer, stellvertretender Leiter des ZEW-Forschungsbereichs „Innovationsökonomik und Unternehmensdynamik“. Weitere Informationen findet ihr auf unserer Webseite www.zew.de, in den Shownotes oder auf unseren Social-Media-Kanälen. Mein Name ist Pascal Ausäderer. Herzlichen Dank für euer Interesse.

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